Die 5 Säulen des Selbstwerts – und wie sie deinen Selbstwert tragen

Juni 14, 2024 | 0 Kommentare

Wie war das nochmal mit dem Selbstwert?

Der Selbstwert oder auch besser gesagt das Selbstwertgefühl entscheidet darüber, wie wir über uns denken und mit uns umgehen. Finde ich, dass ich auf der Welt wichtig und richtig bin, fühle ich, dass ich in Ordnung bin, so wie ich bin, verbunden mit weiteren Gefühlen von Sicherheit, Zufriedenheit und Stolz, dann habe ich tendenziell ein hohes und stabiles Selbstwertgefühl. 

Gehe ich jedoch nicht sehr sorgsam mit mir um, akzeptiere ich mich selbst nicht oder sehe meine Schwächen als einen großen Teil von mir, vertraue ich zu wenig in meine Fähigkeiten und Kompetenzen, glaube ich, wenig bis keinen Einfluss auf gewisse Situationen zu haben, und sehe ich mich in keinem stabilen sozialen Netz und Beziehungen, ist dies selbstwerthinderlich bzw. zeugt von einem eher schwachen Selbstwertgefühl, welches insbesondere aus einem Gefühl der Minderwertigkeit und Selbstzweifel gespeist wird. 

Auch eine abwertende, ausnutzende Haltung gegenüber anderen, um sich selbst aufzuwerten, begleitet mit Gedanken wie „Ich bin besser als andere, ich bin großartig und meine Bedürfnisse gehen vor“ ist ein Zeichen für ein schwaches Selbstwertgefühl – mit dem Unterschied, dass hier (unterbewusst) eine Strategie der eigenen Überhöhung verfolgt wird. Oft ist diese Ausprägung des schwachen Selbstwertgefühls anzutreffen bei narzisstisch oder antisozial ausgeprägten Persönlichkeitstypen. 

Dies macht deutlich: Um mich mögen zu können mit all meinen Ecken und Kanten, oder sogar von mir und meinem eigenen Können begeistert zu sein, bedarf es eines guten und stabilen Selbstwertgefühls. Ein gesunder, stabiler Selbstwert hat Einfluss auf viele verschiedene Lebensbereiche 

  • wie ich mit Kritik umgehe 
  • Welche Beziehungen ich eingehe 
  • Wie ich mit mir umgehe und umgehen lasse 
  • Wie ich Krisen verkrafte  
  • Was ich mir zutraue und was ich auch erreiche 
  • Wie stark ich für meine Bedürfnisse einstehe 

Es gibt 5 Selbstwert-Säulen

Um den Begriff des Selbstwerts verständlicher und greifbarer zu machen, kannst du dir den Selbstwert wie ein Gebäude vorstellen, das auf fünf Säulen ruht.  

Je mehr Säulen fest und stabil sind, desto stabiler steht das ganze Gebäude, und damit auch der Selbstwert. Sind jedoch eine oder gar mehrere Säulen wackelig, so schwächt dies die Stabilität des Selbstwert-Gebäudes. Und je mehr Säulen wackeln, umso mehr ist der Selbstwert in Gefahr.  

Wie das oben aufgeführte Bild verdeutlicht, fußt unser Selbstwert auf 5 Säulen, nämlich Selbstfürsorge, Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit und Soziales Eingebundensein. Was sich genauer hinter diesen Begrifflichkeiten verbirgt, möchte ich dir anhand einiger Fragen und Aussagen beispielhaft verdeutlichen, die für die jeweilige Säule interessant sind:  

Selbstfürsorge 

  • Inwieweit kannst du für dich einstehen und notwendige Grenzen setzen? 
  • Wie gut gelingt es dir, dir selbst mit Mitgefühl in schwierigen Zeiten zu begegnen? 

Selbstakzeptanz 

  • Wie gut kannst du dich so akzeptieren, wie du bist? 
  • Fühlst du dich wohl und zufrieden mit dir selbst? 
  • Wie gut kannst du dir Fehler verzeihen? 

Selbstvertrauen 

  • In welchen Bereichen kannst du dich auf deine Fähigkeiten und Kompetenzen verlassen? 
  • Inwiefern kannst du darauf bauen, etwas gut zu können? 

Selbstwirksamkeit 

  • Inwieweit glaubst du dein Wohlbefinden selbst in die Hand nehmen zu können? 
  • Inwieweit glaubst du an deine eigenen Fähigkeiten, Aufgaben erfolgreich abzuschließen? 

Soziales Eingebundensein 

  • Mit welchen Beziehungen in deinem Leben bist du zufrieden, weil die Personen dich mögen und schätzen?  
  • Wie gut gelingt es dir bestehende Beziehungen zu pflegen und neue aufzubauen?

Diese exemplarischen Fragen und Aussagen zu den einzelnen Säulen geben schon einmal einen Einblick in die Kernpunkte der jeweiligen Säulen. Schauen wir uns aber im Folgenden noch einmal genauer im Detail an was hinter den einzelnen Säulen steckt. 

Selbstfürsorge

Im Kern bedeutet Selbstfürsorge, dass ich Dinge tue, die mir guttun und für mein persönliches Wohlbefinden zuträglich sind. Dafür ist es zunächst einmal wichtig, dass ich meine Bedürfnisse kenne und im jeweiligen Moment auch erkenne bzw. akzeptiere. Gleichzeitig bedeutet Selbstfürsorge aber auch, dass ich mich abgrenze von Dingen, die meinem Wohlbefinden zuwiderlaufen. In dem Zusammenhang bedeutet Selbstfürsorge dann z.B. auch, dass ich in der Lage bin, „Nein“ zu sagen und Grenzen zu setzen. Ebenso gehört zu selbstfürsorglichem Verhalten, dass ich mich mir auch in schwierigen Situationen oder bei Fehltritten mitfühlend und liebevoll begegne, anstatt mich „fertigzumachen“. 

Beispiele für eine gesunde Selbstfürsorge können sein: 

  • Gesunde Ernährung  
  • Ausreichend Schlaf 
  • Verzicht oder sehr eingeschränkter Konsum von Genussmitteln wie Alkohol, Kaffee oder Zigaretten 
  • Ausreichend Sport und Bewegung 
  • Eine Datenight oder -stunde mit mir selbst, einem guten Buch und einer Tasse Tee auf der Couch oder in der Badewanne 
  • Das Pflegen von Freundschaften und anderweitigen Beziehungen 
  • Meditation und Achtsamkeitsübungen 
  • Selbstreflexion in Form von Journaling, dem Schreiben von Erfolgs- oder Dankbarkeitstagebüchern uvm. 

Selbstakzeptanz

Mit Selbstakzeptanz ist in erster Linie die positive Einstellung zu sich selbst als Person gemeint. Wenn ich mich selbst akzeptiere, dann bin ich zufrieden und einverstanden mit mir selbst, mit mir „im Reinen“, dann wertschätze ich meine Meinungen, Reaktionen und Haltungen und akzeptiere meine Person als Ganzes, auch die unbequemen Aspekte. Anders ausgedrückt: wer sich selbst akzeptiert, nimmt die eigene Person mit allen Stärken und Schwächen an. Dazu gehört auch die eigenen Bedürfnisse zu achten und den eigenen Körper und das Aussehen zu respektieren und sich so anzunehmen, wie ich mich im Spiegel sehe (was nicht bedeutet, dass ich alles an mir einfach so hinnehmen muss, aber dass ich die kleinen Dellen an den Schenkeln oder die kleinen Lachfalten im Gesicht annehme). Insofern besteht auch ein gewisser Zusammenhang zwischen der Selbstakzeptanz und der Selbstfürsorge. 

Selbstvertrauen

Selbstvertrauen zu haben bedeutet, dass man auf die eigenen Fähigkeiten, das eigene Können und auch die eigenen Gefühle und den Instinkt vertrauen kann. Die Überzeugung oder Einschätzung aufgrund gewisser Fähigkeiten das Rüstzeug mitzubringen einer Sache gewachsen zu sein, ist hierbei ein wesentlicher Faktor.

Selbstvertrauen wird vor allem durch das erfolgreiche Meistern von Aufgaben und Situationen genährt – wenn wir bspw. einer Situation gegenüberstehen, die wie in der Vergangenheit bereits erfolgreich gemeistert haben, dann können wir uns auf diese positive Erfahrung zurückbeziehen und gehen zuversichtlich an die Aufgabe heran. Aber auch bei neuen Situationen, die sich zunächst als herausfordernd präsentieren und denen man in der Vergangenheit noch nicht begegnet ist, kann ein gesundes Selbstvertrauen die Zuversicht verleihen auch diese Hürde zu meistern. 

Selbstwirksamkeit

Die Selbstwirksamkeit ist eng verknüpft mit dem Selbstvertrauen – während beim Selbstvertrauen der Fokus eher beim gedanklichen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten liegt, so steht bei der Selbstwirksamkeit eher das Tun im Vordergrund. Wer sich als selbstwirksam empfindet, sieht sich selbst als eine Person, die durch ihr Handeln und Tun Einfluss nehmen, die einwirken kann.

Während bei Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl die Selbstwirksamkeit ebenfalls gering ist und diese eher zu einem von Selbstzweifel getriebenes „Opferdenken“ neigen à la „Ich kann ja doch sowieso nichts bewirken“, bringen selbstwirksame Menschen ein proaktives Mindset mit, das sie darin bestärkt, durch ihr Tun eingreifen zu können. Mit diesem Mindset geht gleichzeitig die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme für das eigene Tun einher. Menschen, die sich als wirksam erleben, sind auch eher der Überzeugung, dass sie ihr Glück selbst in der Hand haben – dass sie etwas bewirken können.  

Soziales Eingebundensein

Beim Sozialen Eingebundensein geht es einerseits um das eigene Erleben von Kontaktfähigkeit, die Fähigkeit sich in sozialen Beziehungen und Kontexten adäquat verhalten zu können und andererseits bspw. um das Wissen, dass man in positiven sozialen Beziehungen zu anderen Menschen steht und Unterstützung von diesen erfährt.

Sozial eingebundene Menschen sind tendenziell sozial beliebt, können gut mit anderen Menschen umgehen, fühlen sich schwierigen sozialen Situationen gewachsen und können sich flexibel an Situationen und Menschen in Abhängigkeit des jeweiligen sozialen Kontextes anpassen. Das Wissen um existierende positive Beziehungen zu anderen Menschen stärkt das Gefühl des sozialen Eingebundenseins weiterhin – hierbei ist vor allem die Qualität der Beziehungen, und weniger die Quantität, wichtig. 

Stück für Stück zum Selbstwert-Traumhaus

Jede der fünf Säulen steht für einen Aspekt, der für den Selbstwert als Ganzes wichtig ist. Dabei steht keine der 5 Säulen für sich allein, sondern sie ergänzen sich gegenseitig und ein Stärken einer Säule wirkt sich auch positiv auf die anderen Säulen aus. Für dich bedeutet das, dass du ruhig auch erst einmal den Fokus auf eine Säule legen und daran arbeiten kannst.

Wenn du bspw. der Meinung bist, dass es dir an Selbstvertrauen mangelt, dann kannst du dich ruhig erst einmal darauf fokussieren und dich dann dem nächsten Thema widmen. Die weitere Arbeit wird dir dann schon leichter fallen, weil sich das Ausbauen der einen Säule, wie gesagt, auch auf die anderen auswirkt – das nennt man Synergieeffekte. Stück für Stück können wir also jede der Säulen ausbauen, festigen oder reparieren, sollten sich Risse in ihnen aufzeigen. Du kannst zu deiner eigenen Bauherrin werden – und ehe du dich versiehst, bringst du nach und nach dein Selbstwert-Traumhaus auf Vordermann und lässt es frisch renoviert in neuem Glanz erstrahlen. 

Möchtest du mehr zu weiteren Themen Rund um den Selbstwert erfahren? Schau dich einfach in meinem Blog um.

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ich bin Isabelle, Coachin, Beraterin für Eignungsdiagnostik und Gründerin von Female Confidence. Als Expertin in Sachen Selbstwert und positive Psychologe ist es mir eine Herzensangelegenheit Frauen zu empowern und sie mit meinem Wissen, meiner Erfahrung und Expertise auf dem Weg zu mehr Selbstliebe und Selbstbewusstsein zu begleiten.